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Studie: Prävention in Deutschland in vielen Bereichen mangelhaft

BERLIN. Die Gesundheitsvorsorge in Deutschland ist in vielen Bereichen mangelhaft. Gründe dafür sind unter anderem eine schlechte Koordination und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Felix Burda Stiftung Mitte Juni vorstellte. Mehr als 40 Präventionsexperten in Deutschland haben an ihr mitgewirkt.

Schlechte Beurteilungen geben die Experten vor allem der Vorsorge bei Krebs (Darm, Prostata, Haut und Brust) sowie der allgemeinen Gesundheitsförderung – das übergreifende Urteil hierbei war im Vergleich zu anderen Industrieländern „mangelhaft“. Lediglich die Schwangerschaftsvorsorge und die Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter bewertete die Studie als „gut“ bis „sehr gut“.

Die Studie zeigt am Beispiel Diabetes mellitus Typ 2 das Verhältnis zwischen Kostenexplosion und mangelhafter Prävention. So belaufen sich die Kosten für die Behandlung der Zuckerkrankheit und dadurch ausgelöste Folgeleiden in Deutschland jährlich auf rund 30 Milliarden Euro.

Der Studie zufolge werden die Behandlungskosten für diese Volkskrankheit in Deutschland innerhalb der nächsten 15 Jahre explodieren und sich die Anzahl der Erkrankten bis 2020 von derzeit rund sechs Millionen auf zehn bis elf Millionen fast verdoppeln. Bei jährlich rund 250 000 Neuerkrankungen und durchschnittlichen Behandlungskosten von 5 000 Euro pro Patient, könnten pro Jahr kurzfristig rund 40 Millionen Euro Ausgaben eingespart werden.

Experten gehen sogar davon aus, dass langfristig bis zu 90 Prozent aller Diabetesfälle durch einfache präventive Maßnahmen wie gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung vermieden werden könnten. Allein in Deutschland sei dadurch ein Einsparungspotenzial von 27 Milliarden Euro pro Jahr realisierbar.

Großer Handlungsbedarf besteht laut Studie auch bei der Krebsvorsorge, obwohl auch hier ausreichend gesicherte medizinische Daten für den Erfolg von Prävention vorlägen.

Als Hauptursachen für die mangelnde Prävention in Deutschland nennt die Studie eine schlechte Koordination bestehender Programme und Akteure, die unzureichenden gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie das Fehlen einer allgemeinen Präventionskultur. Die Studie fordert von der Politik, Prävention in Deutschland durchgängig in allen Bereichen der Gesellschaft zu verankern. Gesundheitsvorsorge dürfe nicht als alleinige Aufgabe der Krankenkassen verstanden werden, sondern sollte alle Bereiche des Lebens einbeziehen./hil

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt, 17. Juni 2005

 

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