Themen

Forschung

Hatte Freud doch recht?
SPIEGEL THEMA: Montag, 18. April, 23.05 - 23.50 Uhr, XXP

Im XXP-Studio diskutiert SPIEGEL-Redakteurin Beate Lakotta mit dem Psychologen Hans J. Markowitsch, dem Psychiater Claas-Hinrich Lammers von der Berliner Charité und Marianne Leuzinger Bohleber vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main.

Von der Couch ins Labor und zurück: Neue Untersuchungen der Hirnforscher scheinen Sigmund Freuds umstrittene Theorien über Träume und das Unbewusste zu bestätigen. Im XXP-Studio diskutieren Experten über das Rätsel der menschlichen Psyche.

Es ist ein grandioses Comeback, das sich zurzeit in Wissenschaftskreisen ankündigt: Nach Jahren des Primats der Neurobiologie zeigen Hirnforscher plötzlich wieder Interesse an den lange verschmähten Thesen des Stammvaters der Psychoanalyse - Sigmund Freud. Mitglieder der medizinischen Avantgarde scheuen sich plötzlich nicht mehr, im Zusammenhang mit neurologisch akribisch erfassten Krankheitsbildern von Verdrängung zu sprechen und in psychoanalytischen Sitzungen die Träume der Patienten zu analysieren.

Eben dort, wo die Aussagekraft von Computertomographien erschöpft ist, scheint ein Teil der Forscher zu den konventionellen Methoden der Psychoanalyse zurückzukehren. In vielen Bereichen haben sich Freuds Konzepte zudem als richtig erwiesen. So hat die Säuglingsforschung die fundamentale Bedeutung der frühen Kindheit nachgewiesen - eines der Kernthemen des berühmten Analytikers. Hirnforscher erklären heute, worin die von Freud definierte "infantile Amnesie", das Vergessen der frühesten Kindheitsereignisse, begründet ist. Neurobiologen entdecken den Dopamin-Schaltkreis, das sogenannte Belohnungs- und Suchsystem, welches große Ähnlichkeit mit der von Freud beschriebenen Libido aufweist.

Fast sieht es so aus, als würden ausgerechnet die Neurowissenschaften, die Freud von seinem Sockel stürzten, im 21. Jahrhundert seine Renaissance begründen.

Gäste im Studio

Hans Joachim Markowitsch, Professor für physiologische Psychologie
Hans Joachim Markowitsch habilitierte 1980 in Konstanz und ist heute Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld sowie Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Forschung. Er wurde vor allem durch seine Arbeiten zur Gedächtnisforschung international bekannt. Der 1949 in Singen geborene Psychologe erforscht die Funktion des Gedächtnisses und die Frage, warum es bisweilen den Dienst versagt. In seinem Buch "Dem Gedächtnis auf der Spur: Vom Erinnern und Vergessen" (Primus-Verlag) gibt er unter anderem Anleitungen zum Gedächtnistraining.

Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Insitut Frankfurt am Main
Leuzinger-Bohleber ist Professorin für Psychoanalyse an der Universität Gesamthochschule Kassel. Sie ist Mitglied der Schweizerischen Psychoanalytischen Gesellschaft und der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und betreibt klinische und empirische Forschung in mehreren Bereichen der Psychoanalyse: Indikationsforschung, Adoleszenz und psychoanalytische Entwicklungspsychologie.

Claas-Hinrich Lammers, Charité Berlin
Der Psychiater und Verhaltenstherapeut hat an verschiedenen Universitätskliniken in Deutschland, Großbritannien und den USA in den Bereichen Psychiatrie und Neurobiologie gearbeitet und geforscht. Seit 2001 ist Lammers Oberarzt an der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, wo er eine Spezialstation zur Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, insbesondere der Borderline-Erkrankung aufgebaut hat. Lammers behandelt Angst- und Zwangserkrankungen und hat Zusatzausbildungen in Hypno- und Verhaltenstherapie absolviert.

Beate Lakotta, DER SPIEGEL

Unter dem Link http://forum.spiegel.de gibt es die Möglichkeit zur online - Diskussion.

 

zurück
nach oben